Digitale Plattformen erscheinen allgegenwärtig und unverzichtbar. Wir kommunizieren und informieren uns auf ihnen, streamen Filme, Serien, Podcasts und Musik über sie, kaufen ein, buchen unseren Urlaub und bewegen uns mit ihnen durch die Stadt. Für immer mehr Menschen bestimmen sie auch den Arbeitsalltag. Doch was sind Plattformen überhaupt? Woher kommt ihre Macht, welche Geschäftsmodelle liegen ihnen zugrunde, und wie haben sie unsere digitale Kultur verändert? Welche technischen, sozialen und kulturellen Bedingungen haben den Aufstieg der Plattformkonzerne ermöglicht, und warum erscheint es zunehmend schwieriger, sie einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen? Befinden wir uns im Zeitalter des Plattformkapitalismus oder führt uns die marktbeherrschende Stellung der Tech-Konzerne gar in neo-feudalistische Verhältnisse, wie manche argumentieren? Nicht zuletzt: Was bedeutet es für die ästhetische Produktion und kreative Arbeit, wenn sie nahezu ausschliesslich unter Plattformbedingungen stattfindet? Welche neuen kulturellen Genres und ästhetischen Formate sind mit dem Aufstieg der Plattformen entstanden, und wie verändern sie unsere Wahrnehmung?
Diesen Fragen widmet sich das Seminar anhand von ausgewählten Lektüren aus den Medien-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Es geht um die Analyse konkreter Fallbeispiele ebenso wie um die Auseinandersetzung mit künstlerischen Arbeiten, die das Leben unter Plattformbedingungen reflektieren. In den Blick kommen dabei Plattformen wie Amazon, Google, Netflix, Instagram, TikTok, Uber oder Spotify, die wir in ihrer jeweiligen Spezifik und auf gemeinsame Strukturmerkmale hin untersuchen. Ebenso soll es darum gehen, was die aktuellen Entwicklungen der sogenannten «Künstlicher Intelligenz» für die Zukunft der Plattformen bedeuten und wie diese selbst die Voraussetzungen für den KI-Hype geschaffen haben, von dem sie nun von zu profitieren versuchen.
Ein integraler Bestandteil des Seminars ist das zweitägige Symposium «Im Maschinenraum der Cloud. Perspektiven einer demokratischen Digitalisierung» des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK), das ganztägig am 29. und 30. Oktober 2026 im Cabaret Voltaire stattfindet und Expert:innen aus Wissenschaft, Kunst, Aktivismus und Journalismus versammelt, die gemeinsam über Alternativen zur Macht der Plattformen nachdenken. Ein Reader mit Texten und Materialien wird zu Beginn des Seminars bereitgestellt.
Das Seminar wird im Master «Kulturanalyse» im Modul Praktiken, Subjekte, Macht angeboten. In der Kunstgeschichte ist es über das Modul Medien der Künste belegbar. In anderen Studiengängen wird es als «Überfachliches Angebot» angerechnet.
Lehrender: Prof. Dr. Roland Meyer
Dienstags, 10:15-12:00
ECTS: 3