Mit dem aktuellen KI-Hype hat auch der Begriff des Musters oder pattern erneut an Prominenz gewonnen. Denn was derzeit als «Künstliche Intelligenz» vermarktet wird, beruht wesentlich auf Mustererkennung: Künstliche neuronale Netze werden darauf trainiert, wiederkehrende Muster in riesigen Mengen von Bildern, Texten, Tönen und anderen Daten zu erkennen, zu klassifizieren, zu analysieren und zu variieren. Die Analyse von Mustern erlaubt Vorhersagen, von der Klimaforschung bis zur automatisierten Zielbestimmung; ihre Variation ermöglicht die endlose Produktion vermeintlich neuer Inhalte bis hin zum berüchtigten KI-Slop. Dabei steht der Musterbegriff, wie ihn Kybernetik und Informationstheorie bereits um 1950 bestimmten, in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis zum Visuellen. Bei Norbert Wiener konnte Muster alles bezeichnen, was sich als Information vom Einzelfall ablösen, in Variation wiederholen und statistisch berechnen liess. Im Fokus der automatisierten Mustererkennung standen allerdings seit Frank Rosenblatts Perceptron in den späten 1950er Jahren primär visuelle Muster in Bildermengen – nicht zuletzt im Interesse militärischer Luftaufklärung. Wie bildlos also sind Datenmuster? Und wie sehr haben Bildbegriffe und Bildoperationen Geschichte und Gegenwart der digitalen Mustererkennung geprägt?
Im dialogischen Format werden Nina Franz (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) und Bernard Geoghegan (Universität Oslo) Schlaglichter auf die Bild- und Mediengeschichte von Mustern und Mustererkennung werfen und Fragen nach der Bildlichkeit wie Bildlosigkeit von Datenmustern in den Blick nehmen.
Die Zürcher Veranstaltung ist die vierte Veranstaltung in der Workshopreihe zum Thema »Bildlosigkeit«, die sich seit 2024 mit den prekären Übersetzungsprozessen zwischen Daten und Bildern beschäftigt: Was visualisieren Datenvisualisierungen? Von wem werden Bilder gesehen, die keine menschlichen Augen adressieren? Welche bild- und medientheoretischen Konsequenzen haben «invisual images» (Munster/Mackenzie)? Nach dem ersten Workshop zu «Sensorbildern» mit Kathrin Friedrich und Antonio Somaini in Bochum widmete sich der zweite Workshop in Berlin mit Tom Holert und Ute Holl historiographischen Fragen des «operativen Bildes» (Farocki), während der dritte Workshop 2025 in Paris mit Claus Pias und Estelle Blaschke die These «Das digitale Bild gibt es nicht» einer kritischen Revision unterzog.
Konzipiert von Katja Müller-Helle (Das Technische Bild, Humboldt-Universität zu Berlin), Simon Rothöhler (SFB Virtuelle Lebenswelten, Ruhr-Universität Bochum) und Florian Sprenger (SFB Virtuelle Lebenswelten, Ruhr-Universität Bochum) in Kooperation mit Roland Meyer (Brückenprofessur für Digitale Kulturen und Künste, Universität Zürich und Zürcher Hochschule der Künste – ZHdK).
Vorläufiger Ablauf
13:30 Ankunft und Kaffee
14:00–14:45 Einführung: Roland Meyer, Katja Müller-Helle, Simon Rothöhler, Florian Sprenger
14:45–15:00 Kurze Kaffeepause
15:00–16:30 Input & Diskussion: Bernard Geoghegan, Classification or Cacography? Pattern Recognition in Humans and Machines
16:30–17:00 Kaffeepause
17:00–18:30 Input & Diskussion: Nina Franz, Seeing like a State. Population-based Pattern Analysis at War
18:30 Apéro
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