Blockseminar: «Bilder als Beweise»


JAN 25-28, 2027

Immer häufiger ist zu hören, den Bildern sei nicht mehr zu trauen. Tatsächlich aber war die Beweiskraft technischer Bilder nie unumstritten. Zwar war bereits in den Anfängen der Fotografie im 19. Jahrhundert klar, dass hier ein völlig neues Mittel der Beweissicherung entstanden war. Doch zugleich wurden Fotografien von Beginn an retuschiert und manipuliert, und was sie tatsächlich zeigen und beweisen konnten, war stets Gegenstand widerstreitender Interpretationen. Unter digitalen Bedingungen hat sich diese Spannung verschärft: Während Smartphones und soziale Medien Aufnahmen von Polizeigewalt, Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Echtzeit global zirkulieren lassen, steigern generative KI und andere digitale Tools die Möglichkeiten der Fälschung. Der Manipulationsverdacht ist damit heute nahezu zum Standardmodus der Bildwahrnehmung geworden.

Mit dem Aufkommen digitaler Medien haben sich allerdings auch neue Formen forensischer Analyse, kollektiver Bildinterpretation und vernetzter Beweissicherung etabliert, die sowohl auf die Absicherung von Beweisansprüchen wie auch auf die Aufdeckung von Manipulationen zielen. Rechercheagenturen wie Forensic Architecture oder Bellingcat rekonstruieren aus verstreuten Aufzeichnungen umstrittene Ereignisse, bildforensische Verfahren machen digitale Spuren der Bearbeitung lesbar, und in sozialen Medien entstehen spielerische wie problematische Formen pseudoforensischer Investigation.

In gemeinsamen Lektüren, Recherchen und Diskussionen widmet sich das Seminar solchen und weiteren künstlerischen, journalistischen, wissenschaftlichen und medialen Alltagspraktiken, in denen digitale Fotos und Videos als Beweise verhandelt werden. Es fragt nicht einfach, ob den Bildern noch zu trauen ist, sondern wie Vertrauen in die Beweiskraft von Bildern gegenwärtig erzeugt, bestritten und erschüttert wird.


Das Blockseminar wird an der ZHdK im Modul «Künstlerische Praxis des Digitalen», und an der Universität Zürich im Modul «Zeichen, Dinge, Medien» in der Kulturanalyse angeboten. In anderen Studiengängen kann das Blockseminar als «Überfachliches Angebot» angerechnet werden.


Lehrender: Prof. Dr. Roland Meyer

Termine:

25. Januar 2027 9:00–16:00 Uhr

26. Januar 2027 9:00–16:00 Uhr

27. Januar 2027 9:00–16:00 Uhr

28. Januar 2027 9:00–16:00 Uhr

ECTS: 3


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