Bei der sechsten Tagung des Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft (KriKoWi) unter dem Titel «Antifaschistische Medien- und Kommunikationswissenschaft» spricht Dr. Kathrin Trattner zu «The Kirkification of Everything – Charlie Kirks digitales Nachleben zwischen Märtyrertum und Memefizierung»:
Am 10. September 2025 wurde der rechtsextreme Podcaster und Turning-Point-USA-Gründer Charlie Kirk bei einer Veranstaltung am Campus der Utah Valley University erschossen. Der überaus gut mit der Trump-Administration vernetzte Aktivist wurde binnen Stunden nach seinem Tod vonseiten des Weissen Hauses und der MAGA-Bewegung zum Märtyrer erklärt, der für seine Überzeugungen, seinen Glauben und sein Land gestorben sei. Von Beginn an kam in diesem Prozess der digitalen Märtyrerwerdung generativer KI eine zentrale Rolle zu. KI-generierte Botschaften des Influencers aus dem Jenseits wurden in Megachurches abgespielt und Social Media Plattformen füllten sich mit Bildern und Videos von Charlie Kirk, der im Himmel von Papst Franziskus und Abraham Lincoln empfangen wird.
Parallel zu dieser von offiziell staatlicher Seite getragenen Sanktifizierung Charlie Kirks kam es zu harten Massnahmen gegenüber Personen, die diesen nach seinem Tod kritisierten oder (vermeintlich) verspotteten. Die Botschaft nach aussen von MAGA lautete wiederholt: Charlie Kirks Tod werde zu einer Million Charlie Kirks führen. Genau das ist schliesslich auch passiert – nur eben anders als intendiert. Monate nach seinem Tod ist Charlie Kirk präsenter denn je, das Internet de facto kirkifiziert. Der Vortrag geht diesen Transformationen von Charlie Kirk auf TikTok nach und versucht sie mit Blick auf Plattformaffordanzen und Vibes als Dynamik zu skizzieren und so die Frage nach unterschiedlichen sich daraus ableitbaren politischen Bedeutungspotenzialen zu stellen.

Weitere Informationen zum Tagungsprogramm sind hier zu finden.