Digitale Medien und Infrastrukturen prägen unseren Alltag. Täglich nutzen wir Apps und Plattformen, interagieren mit Screens, Interfaces und digitalen Agenten, navigieren durch Datenbanken und virtuelle Spielwelten. Dass wir überall und jederzeit nahezu beliebige Mengen digitalen Contents abrufen können, erscheint uns ebenso selbstverständlich wie die Tatsache, dass fast jede unserer Bewegungen digitale Spuren hinterlässt, die getrackt und algorithmisch ausgewertet werden können.
Gerade das Alltägliche und scheinbar Selbstverständliche jedoch bedarf der Beschreibung und Analyse. Dieser Aufgabe wollen wir uns im Seminar stellen, indem wir eine Reihe von Begriffen, mit denen wir in digitalen Kulturen täglich umgehen, von «Algorithmus» bis «Plattform», von «Content» bis «Interface», «Tracking» und «Virtualität» kritisch unter die Lupe nehmen: Was bedeuten diese Begriffe eigentlich genau, was ist ihre Geschichte, welche Konzepte und Theorien knüpfen sich an sie, und wo liegt ihr analytisches Potenzial?
Das Ziel des Seminars ist es, ein kritisches Glossar digitaler Kulturen zu entwickeln, das ein theoretisch-reflektiertes Sprechen und Nachdenken über Gegenwartsphänomene ermöglicht. Denn die Begrifflichkeiten, mit denen wir über digitale Kulturen sprechen, sind nie technisch-neutral, sondern immer schon mit kulturellen Vorstellungen und politischen Ideen aufgeladen, die es zu rekonstruieren gilt.