1945 veröffentlicht Vannevar Bush den einflussreichen Essay «As We May Think». Im Computerzeitalter, so Bushs Prognose, werden hierarchische Techniken der Organisation, Adressierung und Verarbeitung von Informationen durch eine flexiblere und assoziative maschinelle Methode ersetzt, die er «Memex» nannte. «Ganz neue Arten von Enzyklopädien werden entstehen, bereits versehen mit einem Netz assoziativer Pfade, bereit, in den Memex eingebaut und dort erweitert zu werden.» 1986 beendet Harun Farocki seinen Film Wie man sieht, ein filmisches Netz assoziativer Pfade, in dem der Jacquard-Webstuhl, die Erfindung des Maschinengewehrs und alternative Wege der Technikgeschichte zu einem vielschichtigen Muster verwoben sind. Was haben uns Bush, Farocki und andere Denker:innen und Praktiker:innen des Bildes heute, vor dem Hintergrund von digitalen Plattformen, «ubiquitous computing» und sogenannter «generativer KI», zu sagen?
Das Farocki-Forum und das Zentrum Künste und Kulturtheorie der Universität Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) laden zu einer internationalen Tagung ein: In ihrem Zentrum steht die aktuelle Debatte um die Beschaffenheit und Wirkungsmacht des Bildes im Umfeld der sichtbaren, nicht sichtbaren, automatisierten sowie durch KI unterstützten digitalen Verarbeitung. Unter dem Titel «As We May See» wird gefragt, wie sich heute an Farockis Denken anschliessen lässt. Filme, Vorträge und Gespräche laden dazu ein, den widersprüchlichen Zustand technischer Bilder zu diskutieren.